Ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen, gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.
Römer 8,18

Die Waage lügt nicht. Geradezu unbarmherzig zeigt sie uns die überzähligen Pfunde und die Kilos an. In den Industrieländern, so eine Studie, werden die Menschen immer dicker. Es läge daran, dass man sich überall schnell und problemlos Essen besorgen könne. So stellen sich dann Gewichtsprobleme ein.

Um Gewichtsprobleme geht es auch dem Apostel Paulus in seinem Brief an die Römer. Freilich geht es ihm nicht um sein Körpergewicht, sondern um die Gewichtung zwischen Leid und Herrlichkeit. Er ist fest überzeugt, dass das Leid, welches den Menschen zu schaffen macht, nicht im Verhältnis zur Herrlichkeit steht, wenn der Mensch an Christus als seinen Heiland und Erlöser glaubt.

Wie kommt Paulus zu einer solch steilen Behauptung? Ist der Apostel ein Sonnyboy, der mit goldenem Händchen sein Leben gemeistert hat, und nun anderen altkluge Ratschläge gibt, die an der Wirklichkeit des Lebens weit vorbeigehen? Was ist denn, wenn Menschen mitten durch ein tiefes Tal an Leid und Not gehen müssen?

Der Apostel Paulus ist nun wirklich keiner, der nur die Sonnenseite des Lebens kennengelernt hat. Paulus war mit einer chronischen Krankheit geschlagen, musste Folter über sich ergehen lassen, wurde verfolgt und er erlitt später selbst den gewaltsamen Tod und starb als Zeuge für Jesus Christus. Paulus hat Leid im eigenen Leben erfahren müssen. Er redet also nicht wie ein Blinder von der Farbe, sondern weiß sehr wohl, wie Not, Leid, Verfolgung das Leben bitter und hart machen können. Für Paulus sind Not und Leid keine Fremdwörter und nur bekannt vom Hörensagen her. Darum ist Paulus auch kein Zyniker. Ihm geht es eben nicht darum, das Leid anderer klein zu reden. Menschliches Leid kann nicht abgewogen und gegeneinander ausgespielt werden. Einzig eine andere Bezugsgröße lässt Paulus gelten.

Der Apostel setzt hier nun Leiden und zukünftige Herrlichkeit bei Jesus Christus ins Verhältnis. Das Leid wiegt bei Weitem nicht so wie die Herrlichkeit, die an den Glaubenden deutlich werden soll. Er kommt zu dieser Spitzenaussage, weil er das Leiden und Sterben Jesu Christi am Kreuz vor Augen hat. Es ist der tiefste Punkt der Erniedrigung. Gottes Sohn stirbt am Fluchholz als Verbrecher. Nicht weil er es verdient hätte, sondern weil er für uns diesen Weg gegangen ist. Jesus geht in die Tiefe des Leidens, Sterbens und Todes, obwohl er schuld- und sündlos ist. Seine tiefste Tiefe am Kreuz ist der Grund für die Herrlichkeit, die er schenkt. Gottes Sohn hat gelitten und ist gestorben, um uns aus der Tiefe der Sünde - des Lebens ohne Gott - herauszuholen. Der Herr hat den Tiefpunkt des Kreuzes auf sich genommen, damit er in unserem Leiden ein Beistand ist. Der Herr hat die Einsamkeit getragen - von Gott und Mensch verlassen -, damit wir einen Vater im Himmel haben, der uns durch seinen Sohn, unseren Herrn, Jesus Christus begegnet. Das ist die feste Überzeugung des Apostels. Paulus schreibt diese Zeilen denen zum Trost, die im und am Leben leiden. Er schreibt sie nicht als Sonnyboy, sondern als Apostel, der auf den leidenden Christus weist.

Der Hin- und Verweis auf den leidenden und sterbenden Herrn umfasst immer auch den Fingerzeig auf die Herrlichkeit, die der Herr schenkt. Nach Karfreitag wird es Ostern sowohl damals als auch dann für die an Christus Glaubenden: Durch Leid und Tod zur Herrlichkeit. So wie das Kreuz Jesu nicht das letzte Wort hat, sondern die Auferstehung Christi, so wird auch das Leid nicht das letzte Wort haben, sondern die Herrlichkeit bei Jesus Christus. In der Passions- und Osterzeit schenke der Herr diese Zuversicht!

Herzliche Grüße
Ihr Pfarrer Markus Büttner

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